
14. Mai 2010
Für alle, die glauben, dass meine Webseite "totally lost" ist, denen sei gesagt: Wenn überhaupt "lost" dann aber nur "in translation". Seit meine Computerwelt nicht mehr PC sondern Mac heißt, habe ich den Onlinedienst etwas schleifen lassen - aber das auch nur, weil ich dachte, dass ein Update meiner Seite mit dem Lernen eines neuen Webeditors verbunden sei. Aber Mac sei Dank: Dem war nicht so. Also sende ich wieder...
Viel ist seit einem Jahr geschehen. Nach ewig langer Zeit ist endlich ein Reisezieltraum wahrgeworden: Ich war in Japan - im Land der aufgehenden Sonne. Nach intensivem Selbststudium der japanischen Sprache (wie sich am Ende herausstellte, war das Studium nicht lang genug gewesen) hieß es endlich Samurai sein und die höflich netten Insulaner hautnah erleben.

Ricarda und ich starteten unseren 10-Tagestrip in Fukuoka. Nach Jetlag, japanischen Teigwaren und einem ohrenbtäubenden Pachinko-Hallenbesuch (der einarmige Bandit der Japanerschaft) ging es auf große Fahrt mit dem schnellsten und vor allem püntlichsten Zug der Welt: dem Shinkansen.
Wir besuchten Hiroshima und die nahe Insel Miyajima, wo eine der meistfotografiertesten Sehenswürdigkeiten des Landes steht: das rote Torii des Itsukushima-Schreins. Nach einer Einweisung in die religiösen Unterschiede zwischen shintoistischem Schrein und buddhistischem Tempel ging die Fahrt weiter, entlang der Burg des weißen Reihers in Himeji bis nach Kyoto...

Dort laufen sie dann auch rum, die Geishas, die weiß gepuderten Damen, die zu lebendigen Kunstwerken hochstilisiert werden - wer ihre Unterhaltung wünscht, muss tief in die Tasche greifen. Nein, ich kann nicht sagen, ob es ab drei Damen schon einen Rabatt gibt. Sorry...
Südlich von Kyoto finden wir dann die Tee-Hochburg Uji, wo wir der berühmt-berüchtigten superduper-magic-mach-mir-'nen-Tee-Ikone begegnen durften - sprich: einem Teemeister, dessen Urururgroßvater bereits die Shogune mit völlig überzogenen Teepreisen übers Ohr gehauen hat. Prost, kampai und Mahlzeit!

Wer esoterisch angehaucht ist und einen Plausch mit einem Hirsch schätzt, der ist in Nara gut aufgehoben. Zahme Rehe mischen sich unter die Touristen und betteln um alles, was nicht niet- und nagelfgest ist. Ach so, zu sehen gab es in Nara auch etwas: einen Riesenbuddha und das größte Holzgebäude ever built in Japan. Regenwaldschützer wären da ziemlich geschockt.


Die Tour führte über die japanischen Alpen in die Kleinstadt Takayama und danach am Fuji-san (landläufig als Fujiyama bekannt) entlang - der dreist-scheue Kerl hat sich vor uns im Nebel versteckt - bis zum final destination Tokyo. Wer meint, die Großstadt zu kennen, sollte Tokyo sehen: Menschen, Menschen, Menschen... und alles Japaner. Verrückt! Abends tummeln die sich im Vergnügnungsviertel Shinjuku und zocken lustige Automatengames. Ricarda hat es ein Trommelspiel angetan. Bumm-bumm...
Kurzum gesagt: Japan war die Reise wert. Kann ich weiterempfehlen. Und wenn der Euro weiter an Wert verlieren sollte, der sollte in den Yen einsteigen - der hat ein paar Nullen mehr für den gleichen Warenwert.


Da wir so mutig wie auch verrückt sind, trauen wir uns auf eine Nussschale von Boot, um den Wasserfällen entgegenzufahren, werden nass und bereuen nichts. Die "Maid of the Mist" hat nichts mit Miststück zu tun, sondern macht ihrem englischen Titel alle Ehre: Der Wassernebel der Fälle hat Dynamik und Kraft, und das Touristenschiff bringt uns ganz nah heran an die Naturgewalten. Der feuchte Wahnsinn!

Vom Feuchtgebiet geht es in den Süden in den Big Apple: New York City. Beste Aussichten gibt es vom Rockefeller Center. Dort weht auch eine steife Brise. Was bin ich froh, dass es Ricarda nicht vom Türmchen geniest hat...

Ich persönlich halte mich lieber allein schon aus beruflichen Gründen an den gold schimmernden Bullen der Wallstreet. Für diesen Close-up musste ich ganz schön viele Touristengegner verdrängeln und verschubsen. Kapital(ego)ismus pur.
Nach New York City brachte uns Delta nach Florida. Ein kurzer Abstecher in zwei Vergnügungsparks und schon waren wir in Fort Lauderdale, wo uns Don auf eine Bootsfahrt mitnahm. Ein Erlebnis, schließlich ist die Stadt auch als Veneidg der Vereinigten Staaten bekannt.
Den Abschluss der Fahrt bildete Miami, ein Pflaster, wo jeder Schritt Geld kostet. Ohne den lockeren Dollar geht da nichts. Und mit Englisch auch nicht (mehr). Alles in spanischsprechender Hand. Burito statt Burger - gar keine Frage!
Alligatoren haben wir auch gesehen. Da heißt es, mit dem Airboat durch die Everglades schippern und den Echsen lautstark die Köpfe rasieren. Hi-hah! Don't miss the show!
Was wären die Amis ohne ihren Sport. Wir wagten uns in den Kessel des Dolphin Stadiums, um die Florida Marlins bei ihrem heroischen Baseballspiel zu beobachten. Bei Würstchen und Minipizza haben sie den Sieg nach Hause gefahren. Und alle treuen Fans freuen sich. Was für ein Strike-out!
Wer aber glaubt, Ricarda und ich müssten immer in die Ferne schweifen, um Spaß zu finden, dem sei gesagt: Das Gute kann auch nah sein. Zum Beispiel Paddeln auf der Lahn. Schnell mit der Crew die Schaufeln gegriffen und ab ins Meer... oder ins Flüsschen.
Keine Schleuse hält uns ab. Dafür unsere eigenen Kräfte. Wer wie ich die Fitnesshallen dieses Landes meidet wie ein Eskimo die Wüste, der kann nachvollziehen, dass der ungewohnte Sport einige Zeit für Katerstimmung gesorgt hat.
Bleibt am Ende nicht zu verheimlichen, dass auch wir etwas von diesem abstrusen Winter mitbekommen haben. Schnee über Schnee, dass meine "Black Pearl" mit Sommerreifen draußen auf der kalten Straße ein verschüttetes Dasein gefristet hat. Aber das ist zum Glück Schnee von gestern. Auch wenn heute noch kein Sommerwetter in Sicht ist, so glaube ich fest daran, dass kein Eisheiliger mehr unser Leben unter dem Dach einfrieren wird... zumindest nicht vor dem vierten Quartal dieses Jahres.